Sein internationaler Durchbruch gelang ihm in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Nischenhaus Zoologist, gegründet von Victor Wong. Nightingale entstand ursprünglich als persönliches Projekt – ein floraler Chypre, inspiriert von einem japanischen Gedicht über eine Kaiserin, die dem weltlichen Leben entsagt. Die symbolische Geschichte von Liebe, Verlust und Transformation spiegelt sich im Duft wider: Pflaumenblüte, Safran und Bergamotte entfalten sich über einer komplexen Basis aus Moos, Oud und weißem Moschus. Das Ergebnis ist ein intimer, vielschichtiger Duft mit bemerkenswerter Tiefe.
Mit Moth offenbarte Inaba eine dunklere, intensivere Seite seines Schaffens. Ausgangspunkt war die Vorstellung eines knisternden Feuers – Hitze, Rauch und Bewegung übersetzt in Duft. Gewürze wie Kreuzkümmel, schwarzer Pfeffer, Nelke und Safran eröffnen kraftvoll, bevor pudrige Noten von Heliotrop und Iris für Balance sorgen. Honig und Harze verleihen Tiefe, während ein anhaltender Rauchakkord den Duft durchzieht. Moth ist gewagt, opulent und von außergewöhnlicher Präsenz.
Orchid Mantis zeigt hingegen eine leichtere, grünere Facette. Der Duft evoziert die feuchte Atmosphäre eines tropischen Gewächshauses: saftige Birne, aromatischer Basilikum und frische grüne Noten führen in ein üppiges florales Herz aus Orchidee, Ylang-Ylang und Jasmin. Eine erdige, moosige Basis verankert die Komposition und verleiht ihr Tiefe. Inspiriert von der gleichnamigen Orchideenmantis verbindet der Duft Anmut mit einer subtilen Wildheit.
Über alle seine Werke hinweg bleibt eine klare Handschrift erkennbar. Inaba arbeitet gezielt mit Kontrasten – zwischen Licht und Dunkelheit, Zartheit und Intensität, Natur und Struktur. Neben seiner kreativen Tätigkeit engagiert er sich auch als Dozent für Parfümerie in Japan und setzt sich aktiv für die Vermittlung olfaktorischen Wissens ein.
Als Kritiker, Parfümeur und Lehrer vereint Tomoo Inaba mehrere Rollen in einer Person. Damit zählt er zu den einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen Nischenparfümerie – und zu jenen, deren bedeutendste Werke möglicherweise noch bevorstehen.